HohenloherUnderdogs: HAKRO Merlins Crailsheim

Das Crailsheimer Basketball-Team, die HAKRO Merlins Crailsheim, ist eine der stärksten sportlichen Marken im XAVER-Verbreitungsgebiet. Abseits von Fußball können vielleicht gerade noch die Baseballer der Heidenheimer Heideköpfe (die auch seit Jahren in der ersten Bundesliga Erfolge feiern und sogar mehrfach den Meistertitel geholt haben) mit einer ähnlichen Erfolgsgeschichte aufwarten. Vor über 35 Jahren begann die Geschichte der Merlins mit einer Schul-AG und der heutige Geschäftsführer Martin Romig war damals einer der Mitgründer. Er ist bis heute das Gesicht des Teams und hat Geschichten auf Lager, mit denen man Bücher füllen könnte. Die aktuelle Saison ist gleichzeitig auch die erfolgreichste für die Merlins, zum Redaktionsschluss stand das Team auf einem sensationellen fünften Platz in der Tabelle, hatte satte 20 Siege auf dem Konto – u.a. auch gegen den Tabellenführer Ludwigsburg und gegen Bayern – und hat sich erstmals in der Vereinsgeschichte einen Platz in den PlayOffs der easyCredit Basketball Bundesliga gesichert. Grund genug für das längst überfällige ausführliche Gespräch, das wir vor Ort in der Crailsheimer Geschäftsstelle geführt haben.

XAVER: Martin, Du hast nach der Schule ein BWL-Studium begonnen. Aber so ein Studium alleine macht Dich ja noch nicht fi t für so eine Geschäftsführer-Aufgabe...

Martin Romig: Ich habe erst eine Mechaniker-Lehre gemacht und dann das Studieren zumindest mal angefangen; ich weiß aber gar nicht mehr, ob ich das Vordiplom geschaff t hab, oder nicht (lacht), zu der Zeit ist das Thema Basketball aber schon durch die Decke gegangen und da mussten wir uns dann entscheiden, wo der Weg hinführt. Mit meinem Freund Monkey zusammen hatten wir dann noch einen Sportladen und das war dann anfangs auch die Geschäftsstelle. Diesen klar geplanten Weg zu meiner heutigen Position gab es definitiv nicht, wir wussten halt nur, dass wir beide im Bereich Basketball aktiv werden wollen. Monkey hat dann doch irgendwann noch sein Studium fertig gemacht und ich bin eben hier hauptberufl ich hängengeblieben, weil es Ende der 90er dann eben mein Job war.
X: Über die 35 Jahre, die es Euch heute gibt, habt Ihr alle Ligen durchlaufen, von der Kreisliga bis in die 1. Bundesliga. Was war denn im Rückblick die härteste Phase?

MR: Das war wohl 2001 unsere erste Zweitligasaison. Diese Entwicklung vom Amateur- zum Profi sport mit Budgets usw. war nicht ohne. In den unteren Ligen waren wir mit unserem riesigen und euphorischen Publikum auch immer die Ausnahme, in den höheren Ligen waren die Gegner auch da eher auf Augenhöhe. Wir hatten schon in der Bezirksliga bei unseren legendären Weihnachtsspielen bis zu 3.000 Zuschauer. Und von solchen Spielen und den anschließenden Partys haben wir uns dann fi nanziert. Das hat in den höheren Ligen natürlich nicht mehr geklappt und da mussten dann eben Sponsoren her.
X: Und über die Jahre war sicherlich eine gewisse Professionalisierung unumgänglich!?

MR: Klar. Wir haben aber auch von Anfang an Leute dabeigehabt, die mit ihren Fähigkeiten enorm geholfen haben und bis heute dabei sind – z.B. unser Anwalt und unser Notar – so dass wir für die frühzeitige Professionalisierung in vielen Bereichen nicht extra noch tief in die Tasche greifen mussten. Ein großer Einschnitt war auch, als wir dann den TSV verlassen und eine GmbH gegründet haben. Keine GmbH, die Gewinn erwirtschaften muss, aber gerade im Basketballbereich gab es in Deutschland viele Insolvenzen, weil eben viel Vereine über die Verhältnisse gelebt haben. Da kannten manche echt keine Stoppschilder und haben deutlich mehr ausgegeben, als sie eigentlich gehabt haben. Da war zeitweise die halbe Liga faktisch fi nanziell auf der Intensivstation. Trier alleine hatte vier Insolvenzen und die trauern heute noch der alten Zeit nach, weil sie es einmal ins Pokalfi nale geschaff t haben... Und ab der BBL gab‘s dann die Regel, dass man Eigenkapital nachweisen musste. Erst waren das 150.000 Euro, und die mussten wir schon zusammenkratzen. Später waren es dann 250.000 Euro. Sehr wichtig war auch, dass wir sechs Sponsoren gefunden haben, die wir langjährig, für 20 Jahre, ins Boot holen konnten.Das Crailsheimer Basketball-Team, die HAKRO Merlins Crailsheim, ist eine der stärksten sportlichen Marken im XAVER-Verbreitungsgebiet. Abseits von Fußball können vielleicht gerade noch die Baseballer der Heidenheimer Heideköpfe (die auch seit Jahren in der ersten Bundesliga Erfolge feiern und sogar mehrfach den Meistertitel geholt haben) mit einer ähnlichen Erfolgsgeschichte aufwarten. Vor über 35 Jahren begann die Geschichte der Merlins mit einer Schul-AG und der heutige Geschäftsführer Martin Romig war damals einer der Mitgründer. Er ist bis heute das Gesicht des Teams und hat Geschichten auf Lager, mit denen man Bücher füllen könnte. Die aktuelle Saison ist gleichzeitig auch die erfolgreichste für die Merlins, zum Redaktionsschluss stand das Team auf einem sensationellen fünften Platz in der Tabelle, hatte satte 20 Siege auf dem Konto – u.a. auch gegen den Tabellenführer Ludwigsburg und gegen Bayern – und hat sich erstmals in der Vereinsgeschichte einen Platz in den PlayOffs der easyCredit Basketball Bundesliga gesichert. Grund genug für das längst überfällige ausführliche Gespräch, das wir vor Ort in der Crailsheimer Geschäftsstelle geführt haben.
X: Seit ein paar Jahren kann man die Spiele der 1. Bundesliga auch live bei MagentaSport anschauen – fl ießen da dann auch entsprechende Fernseh-gelder zu den Vereinen?

MR: Das ist zwar über die Jahre mehr geworden, ist aber eher ein Tropfen auf dem heißen Stein und gar kein Vergleich zum Fußball. Alleine der Fußball-Aufsteiger Arminia Bielefeld mit dem kleinsten Budget der Bundesliga, bekommt doppelt so viele TV-Gelder als der Eishockey-, Handball- und Basketball-Verband zusammen! Da kannst Du Dich natürlich reinsteigern und ärgern, oder man macht‘s wie wir und freut sich an dem, was man hat. Wir schielen auch nicht auf den Fußball, wir machen in unserer Nische das Beste draus. Überhaupt ist diese permanente Geld-Diskussion müßig. Große Ausnahme beim Basketball sind die Bayern, die mit einem Etat von 30 Millionen ein Vielfaches von unserem Etat zur Verfügung haben.
X: Stichwort Bayern und große Etats. Die haben ja auch ehemalige Spieler aus der NBA. Ich hatte den Eindruck, dass das früher schonmal größer in Deutschland war, was wahrscheinlich auch damit zu tun hatte, dass man es problemlos und ohne extra dafür zu zahlen empfangen konnte. Auch heute ist es doch so, dass ich bei einer Umfrage in einer Großstadt-Fußgängerzone mehr aktuelle NBA-Spieler genannt bekommen würde, als deutsche Basketball-Bundesliga-Spieler, oder was meinst Du?

MR: Ja klar, woher denn auch? Die NBA hat eine brutale Ausstrahlungskraft auf sämtlichen Kanälen. Gib nur einen aktuellen Spieler wie LeBron James oder so bei Google ein und du bekommst später ständig Werbung von ihm angezeigt. Wir zwei sind in Zeiten groß geworden, wo die Chicago Bulls, die Detroit Pistons, die Boston Celtics und die LA Lakers die Mannschaften waren. Und nicht zu vergessen die Houston Rockets, von denen ich damals großer Fan war. Das konnte man um ’92 bis ‘94 kostenlos im DSF verfolgen. Ich kann mich daran erinnern wie ich da nachts die Finals angeguckt habe. Heutzutage läuft das mehr oder weniger auf einer Konsum-Schiene, da trägt man Shirts von den Teams, kennt aber oft keinen einzigen Spieler oder weiß was über den Saisonverlauf. Wir haben uns das damals stundenlang reingezogen, genau wie siebenstündige Boris Becker-Matches. Sowas wäre den Leuten heute zu lang. Und das Angebot ist ja auch viel größer. Auch wir müssen da ganz schön um die Aufmerksamkeit der Leute kämpfen. Aktuell kommt ja auch noch das Thema E-Sport dazu, wo jeder sagt „Woah, das ist die Zukunft!“ und wo auch große Sponsoren wie z.B. BMW grad voll reingehen.
X: Für ganz viele Leute, die hinter den Kulissen bei den und für die Merlins aktiv sind, steht weniger der Job, sondern viel mehr das Herz im Vordergrund. Zumindest in den Anfangsjahren war das ja weitestgehend von ehrenamtlich Tätigen getragen...

MR: Klar, ohne die Leute hätte das nie so klappen können. Das ist bis heute noch in weiten Teilen so. Wir sind aber natürlich mittlerweile auch ein wirtschaftliches Unternehmen, aber eben ein spezielles Unternehmen... das ist aber schwierig zu erklären... Ein Teil des Ertrages oder dessen, was an Mehrwert geschaffen wird, investieren wir außerhalb des wirtschaftlichen Bereichs, d.h. de facto in die Jugend. Wir haben mit die meisten Jugendtrainer in Süddeutschland und sind einer der größten Basketballvereine Süddeutschlands!
X: Mit Eurem konstanten Aufstieg habt Ihr bestimmt auch Crailsheim weit über die Region bekannt gemacht, oder?

MR: Auf jeden Fall. Schon über unsere Social-Media-Kanäle können wir sehr genau auswerten lassen, welche Reichweite unsere Aktionen haben, aber auch über Fernsehen, Zeitungen usw. können wir abschätzen, was für eine Wertigkeit das deutschlandweit hat. Der Name Crailsheim hat durch unsere Aktionen ein Plus an Popularität gewonnen, der etwa 10 Millionen Euro entspricht, die die Stadt in die Hand hätte nehmen müssen um denselben Eff ekt zu erzielen. Die Basketball-Liga hat auch mal die Social-Media-Aktivitäten der einzelnen Vereine bewertet und da waren wir auf dem zweiten Platz, nur Alba Berlin war vor uns. Ich merke das auch bei privaten Facebook-Posts von mir, die bekommen teilweise über 300 Likes; wohlgemerkt nicht der offi zielle Merlins-Team-Account sondern mein privates Facebook-Profi l. Und natürlich sind wir auch bei Instagram stark aktiv. Wenn man alles zusammenrechnet haben wir für den Social Media-Bereich 2,5 Arbeitsstellen die Inhalte erstellen und die verschiedenen Kanäle beschicken. Sehr zu empfehlen auch unsere Dokumentation „Pure Magic“ (gibt’s u.a. bei YouTube, Anmerkung des Verfassers).
X: Und wird dieser Imagegewinn für Crailsheim auf städtischer Seite gesehen und honoriert?

MR: Vereinzelt ja, aber wir selbst leben und denken ja eh den ganzen Tag Basketball und haben da so eine Art Tunnelblick. So richtig bewusst wird einem das dann immer erst, wenn man von Außenstehenden objektiv gesagt bekommt, was man da über die Jahre auf die Beine gestellt hat und wie außergewöhnlich und alles andere als normal das ist. Es ist nicht normal als kleiner Standort mit bescheidenem Budget so viel zu bewegen.
X: Und mittlerweile sind da ja auch einige Leute bei Euch beschäftigt.

MR: Naja, alleine die Mannschaft sind schon zwölf Mann, plus drei Trainer macht dann 15. Dann die acht Leute im Büro, sind wir bei 23 und mit den Jugendtrainern sind wir bei 30 Leuten. Und da ist noch keine Rede von der Putzfrau usw. Wir waren tatsächlich selbst erschrocken als es Corona-bedingt ums Thema Kurzarbeit ging und wir mal entsprechende Aufl istungen gemacht und festgestellt haben, wie groß wir mittlerweile sind!
X: Und musstet Ihr aufgrund der wirtschaftlichen Lage im letzten Jahr dann auch Leute entlassen?

MR: Wir haben niemand entlassen und das werde ich auch auf Teufel komm raus vermeiden! Anfangs hieß es, dass wir als Profi sportverein keine Kurzarbeit bekommen. Alle anderen Vereine haben schon den Stecker gezogen und die Amis heimgeschickt und die Zahlungen eingestellt, weil sie sonst pleite gegangen wären – zumindest wurden entsprechende Ängste geschürt. Wir haben dann gesagt, dass es auf eine Woche mehr jetzt auch nicht ankommt und wir erst mal abwarten. Und prompt kam kurz später das Arbeitsamt ums Eck und hat uns eben doch in diese Kurzarbeitsgruppe mit aufgenommen. Für das „Bubble“-Finalturnier der letzten Saison in München wurden dann bis aufs Büro alle wieder aus der Kurzarbeit zurückgeholt. Und das ist mir auch enorm wichtig für die Zukunft, ich will weiter ein guter Arbeitgeber sein und den Leuten die Möglichkeit geben sich zu entwickeln, und zwar nicht nur denen auf dem Spielfeld.
X: Ein verrücktes Jahr...

MR: Ja, wohl wahr. Vor allem auch für unsere Jugendmannschaften, die zurzeit alle nicht trainieren dürfen. Im Gegensatz zu anderen Sportvereinen, die teilweise Spielgemeinschaften in der näheren Region eingehen müssen, können wir wirklich nicht über Nachwuchssorgen klagen, wir hatten vor Corona vier Mannschaften in der U10! Und aktuell machen wir hier in Crailsheim tatsächlich Sportunterricht für die ganzen Schulen. Weil die regulären Sportlehrer alle für Sonderklassen, Aufsicht usw. abkommandiert wurden macht unser Nachwuchsleiter und Jugendtrainer, der Benny, jetzt per Zoom Sportunterricht für die fünften und sechsten Klassen. 140 Schüler im Gymnasium und der Realschule.
X: Und da sind die Schulen auf Euch zugekommen, oder wie lief das?

MR: Ach das ging irgendwie hin und her, aber vor allem wird das nicht bezahlt! Soviel zum Thema soziale Verantwortung.
X: Aber auch ein extrem erfolgreiches Jahr in dem Ihr erstmals die Bayern geschlagen habt, den aktuellen Tabellenführer bezwungen habt und Euch zum ersten Mal für die PlayOff s qualifi ziert habt.

MR: Das stimmt, da muss ich mich selbst auch immer kneifen. Die letzte Saison war schon sensationell. Gerade an den Sieg gegen ALBA Berlin erinnere ich mich gerne, als wir noch mit allen unseren Fans feiern konnten. Wenn ich daran denke, wie die Arena bei unseren Siegen in dieser Saison gebebt hätte, läufts mir den Rücken hinunter. Wir spielen die beste Saison unserer Vereinsgeschichte und unsere Fans können nicht dabei sein – das ist so unglaublich traurig.
X: Ein Wermutstropfen ist natürlich, dass das langjährige Trainerteam um Tuomas Iisalo angekündigt hat in der nächsten Saison nicht mehr für die Merlins zu arbeiten...

MR: Wir hatten seit mehreren Wochen gute Gespräche mit Tuomas, er war unser erster Ansprechpartner. Wir wollten die Trainerfrage so früh wie möglich beantworten, sodass wir Planungssicherheit für die kommende Saison haben. Wir respektieren vollkommen, dass er sich zu diesem Zeitpunkt noch nicht entscheiden konnte. Tuomas hat großen Anteil an der sportlichen Entwicklung in den letzten Jahren und wird mit Sicherheit noch eine große Zukunft haben. Er wird immer ein Teil der Merlins-Familie bleiben!
X: Zum Abschluss stell Dir bitte vor Du triff st beim Spaziergang mit Deinem Hund die berühmte Fee aus dem Märchen, die Dir drei Wünsche erfüllt, welche wären das?

MR: Ganz oben steht die Gesundheit. Zweitens, dass unsere Fans und Sponsoren auch in Zukunft weiterhin hinter den Merlins stehen, um die Region in einem besonderen Licht erstrahlen zu lassen. Zu guter Letzt wünsche ich mir, dass wir hoff entlich bald in einer neuen Arena unsere Heimspiele austragen können.

Chronik:
1986 Gründung aus einer Schul-AG
1987 Aufstieg Kreisliga A
1989 Aufstieg Bezirksliga
1995 Aufstieg Landesliga
1997 Aufstieg Oberliga
2001 Aufstieg 2. Bundesliga
2009 Aufstieg PRO A
2014 Aufstieg 1. Bundesliga
2016 Abstieg aus der BBL
2018 Aufstieg 1. Bundesliga
2019 Klassenerhalt („Wunder von Würzburg“)
2020 3. Platz vor Coronapause
2021 35 Jahre Merlins, erstmalige PlayOff-Teilnahme


zurück