Gefallene Könige auf vier Pfoten

Wes Anderson verhandelt in „Isle of Dogs – Ataris Reise“ aktuelle gesellschaftliche Themen mit struppigen Streunern

Rex, Duke, King und Boss waren früher mal als beste Freunde der Menschen ganz oben. Auf der Mülldeponie Trash Island sind sie jetzt ganz unten angekommen: Wegen Hundegrippe und Schnauzenfieber hat der korrupte Bürgermeister Kobayashi der japanischen Stadt Megasaki die Vierbeiner verbannt, wo sie trostlos vor sich hindämmern. Bis der zwölfjährige Atari auf der Suche nach seinem Hund Spots auf der Insel bruchlandet und sich mit der Meute und dem räudigen Streuner Chief auf die Reise durch die weitläufige Müllinsel macht – im Wettlauf mit einem finsteren Plan Kobayashis.
Wes Anderson, der mit kindlicher Eigenwilligkeit, aufwendigen Aufbauten und sehr speziellen Charakteren längst seine eigene Marke etabliert hat, kehrt nach „Der fantastische Mr. Fox“ noch einmal zur Stop-Motion-Animation zurück. Diesmal aber in einem anderen Kulturkreis angesiedelt, was Andersons ohnehin schon überbordende Bildwelt noch um ein mehrsprachiges Übersetzungs-Untertitelungs-Konstrukt erweitert: Irgendwann hat man geschluckt, dass man die Hunde versteht, die japanischen Menschenfiguren im Original sprechen und untertitelt werden – außer es werden Dolmetscher eingesetzt. Und weil statt der gängigen 24 Bilder pro Sekunde nur zwölf gemacht wurden, wirkt es diesmal etwas ruckelig, was dem Film in Abgrenzung zu den gängigen möglichst realistischen Animationsfilmen eine ganz eigene Ästhetik verleiht.
Aussichtslos ist es, die vielen Anspielungen auf die so aktuellen Themen Vertreibung, Diskriminierung und Machtmissbrauch anzuführen, die Anderson hier auf seine Puppengeschichte überträgt. Und ebenso unermesslich die Mühe, die darauf verwendet wurde. Allein an einer kurzen Sequenz, bei der im Stil einer Bildergeschichte Sushi hergestellt wird, tüftelte ein spezielles Team zwei Monate lang. Nicht abzusehen also, was die unzähligen und detailverliebten Sets auf Trash Island an Zeit verschlungen haben. Als knuffige Familienunterhaltung ist „Isle of Dogs“ indes nicht geeignet: Zu düster sind viele der Szenen, in denen die gruseligen Ergebnisse geheimer Versuchsanstalten gezeigt werden. Und so unglaublich das klingt: Die Altersfreigabe wurde auf FSK 18 festgelegt.
Wes Anderson gibt den Puppenmagier

Isle of Dogs - Ataris Reise
USA 2018
R: Wes Anderson
mit den Stimmen von Bob Balaban, Jeff Goldblum und Yoko Ono
S: 10. Mai
www.isleofdogs-derfilm.de

Statement des Regisseurs Wes Anderson:
„Ich habe immer die Idee gehegt, eine Geschichte zu erzählen, die in einer Müllhalde spielt. Aber ich muss sagen, dass nie eine Müllhalde sauberer organisiert war als diese. Wenn einfach fortlaufend Müll zusammengeworfen worden wäre, hätte das zu nichts geführt. Wir mussten also für die verschiedenen Sorten von Müll verschiedene Sorten von Identitäten erschaffen.“


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