Culk / Zerstreuen Über Euch

Indierock

Eins steht fest: Die Stimme von Sophie Löw klingt sehr speziell. Irgendwo zwischen Mädchen und Frau. Zwischen Dichterin und Diva. Zwischen Düsternis und leiser Hoffnung. Mit „Zerstreuen Über Euch“ legen Culk aus Wien ihr zweites Album vor, angesiedelt irgendwo zwischen Postpunk und Shoegaze. Assoziationen und Beobachtungen verwandeln sich in der Welt des Quartetts in Song-Gedichte von großer Tiefe. Die Youngsters geben sich in ihren Songs verträumt, aber auch verwirrt und mitunter sogar wütend. Intensive Basslinien, verzerrte Gitarren und atmosphärische Synthies schaffen eine fast schon schwarzromantische Atmosphäre. Mit dem lebenslustigen Wiener Schmäh ihrer Landsleute Wanda, Bilderbuch oder Voodoo Jürgens haben Culk nichts zu tun.
Um Themen wie toxische Männlichkeit geht es in ebenso aufbegehrenden wie empfindsamen Songs wie „Ruinen“, in denen Sophie Löw gerne als die Erbin von Ian Curtis von Joy Division durchgehen könnte. Machtmissbrauch jeder Art wird hier an den Pranger gestellt, aber nicht mit erhobenem Zeigefinger, sondern mit einer perfekten Prise Wiener Weltschmerz. Bei „Dichterin“ handelt es sich vordergründig um ein Liebeslied, aber in der Interpretation von Sophie Löw entwickelt es sich zur intensiven Chronik einer emotionalen Achterbahnfahrt. Culk ziehen uns mit ihren taubenbgrauen Songs immer tiefer hinein in einen Strudel, in dem wir durchaus versinken können. Das ist anspruchsvolle Musik mit Suchtpotenzial!


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