Asaf Avidan / Anagnorisis

Folkrock

Der Mann mit der ungewöhnlichen Falsett-Stimme ist zurück: Auf Asaf Avidans Album „Anagnorisis“ geht es um die großen, melodramatischen Gefühle, um Verluste und um unerwartete Krisen. Kein Wunder, hat der israelische Folkrocker doch gerade seinen 40. Geburtstag gefeiert! Avidan, der große Schmerzensmann, erfindet sich hier stilistisch noch einmal ein wenig neu, experimentiert mit unterschiedlichen Genres wie Hip-Hop, Charts-Pop und Gospel und ist mit emotional tief berührenden Songs wie „Lost Horse“ doch ganz bei sich. Dass die großen Jazzsängerinnen wie Nina Simone oder Billie Holiday seine Vorbilder sind, macht er in der reduzierten Ballade „Rock Of Lazarus“ deutlich. Anagnorisis ist laut Aristoteles der Moment, in dem ein Mensch sein wahres Gesicht zeigt. Für Asaf Avidan kam dieser Augenblick, als er in diesem Frühjahr zu Beginn der Corona-Krise in seinem temporären ländlichen Refugium in Italien festsaß. Und er das Album zu großen Teilen im Alleingang einspielte. Um Liebe, Schmerz und die uns umgebende Dunkelheit geht es hier. Im fast schon plüschigen Disco-Soul-Tränendrücker „900 Days“ verarbeitet er seine letzte gescheiterte Beziehung mit einer emotionalen Stimmgewalt, dass selbst die Steine weinen. Ganz großes Kino! Beim Video zum Titelstück, das von empfindsamem Pianospiel dominiert wird, hat übrigens kein Geringerer als Altmeister Wim Wenders Regie geführt!


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