Bestnoten fürs Metal-Spektakel
Dinkelsbühl. Schon am frühen Mittwoch, 18. August, reisten viele Metal-Begeisterte in Dinkelsbühl an. Mittags startete im Partyzelt das eigentliche Spektakel. Die sechs Bands, die unter ursprünglich mehr als 2000 Teilnehmern im Online-Voting das Finale des „New Blood Awards“ erreicht hatten, boten einen
spannenden Contest. Am Ende hatten Bleeding Red die Nase vorne: Als Gewinner durften die Jungs am Donnerstag noch einmal auf der „Pain Stage“ auftreten. Highlights des Abends lieferten Rage und Equilibrium, bei ihren Auftritten platzte das Partyzelt beinahe aus allen Nähten, einige Fans konnten in dem Rummel noch nicht einmal alle Songs richtig hören. Da feierten die Metalheads eben ganz einfach fröhlich auf dem weitläufigen Campingplatz weiter. Frisch gestärkt – mit Steaks, Dosenravioli, Marmeladenbrot oder dem berühmt berüchtigten „Reparier-Bier“– verfolgten die Fans am Donnerstagmittag, 19. August, die Siegerehrung von Bleeding Red. Andere schlenderten entlang der Merchandise- und Accessoires-Stände. Hier konnten sie Kuriositäten bewundern. Am frühen Abend rissen The 69 Eyes aus Finnland ihre Fans mit viel Performance und Witz mit. Ihnen folgten die Apokalyptischen Reiter auf der „Main Stage“, somit kamen auch Folk-Fans auf ihre Kosten. Den krönenden Abschluss auf der „Main Stage“ lieferten am Donnerstag Subway to Sally, mit einer spektakulären Show mit viel Pyrotechnik. Auf der „Party Stage“ war an diesem Tag die etwas härtere Gangart angesagt. Die Grailknights sorgten dort für einen spaßigen Auftritt. Später heizten Necrophagist mit technisch anspruchsvollem Death-Metal richtig ein. Wer für die Moshpit-Runden zu den folgenden Auftritten bis 4 Uhr im Partyzelt neue Energie tanken wollte, konnte sich an zahlreichen Ständen mit Essen versorgen. Am Freitag, 20. August, lieferte die US-amerikanische Skandal-Band Cannibal Corpse an der „Main Stage“ brutalen Deathmetal. Ihr Sänger George Fisher animierte das Publikum unter anderem zu „Make them suffer“ mit dynamischem Headbanging dazu, ebenfalls kräftig die Köpfe zu schütteln. Als dann End of Green auf der „Pain Stage“ ihre Show mit „Kill Honey“ begann, waren schon die ersten Crowdsurfer über der Menge unterwegs.
Aufs Gedränge folgt Kunstblut
Headliner des Abends auf der „Main Stage“ waren Heaven Shall Burn. Beim Auftritt der Metalcore-Ikonen schien es, als seien alle 40 000 Summer-Breeze-Besucher auf einmal auf den Beinen. Dadurch wurde es in den vorderen Reihen schnell ungemütlich eng. Einige Zuhörer bewegten sich durch ihr Crowdsurfing aus
der „Quetsche“. Die Ermahnung der Band, nur kleine Circlepits zu bilden, half. Daraufhin spielten die Thüringer Hits wie „Endzeit“ oder „Black Tears“ und Songs aus dem aktuellen Album „Invictus“. Zu lautem Gelächter führte ihre in die Show integrierte Einblende von einem Fäkalienhaufen und dem Konterfei von Außenminister Guido Westerwelle. Wer danach noch nicht genug hatte, konnte sich von GWAR rot einfärben lassen: Die Schockrocker vergossen zu ihrer martialisch-provokanten Show Kunstblut im Überfluss. Das Programm am Samstag, 21. August, war was die stilistische Mischung betrifft, am abwechslungsreichsten. Unter dem wohl kleinsten Banner des Festivals begeisterte die A-Cappella-Metalband Van Canto ohne Gitarren mit Cover-Versionen von Metal-Klassikern wie „Master of Puppets“ von Metallica oder „The Bard’s Song“ von Blind Guardian. Am frühen Nachmittag rockten die Südtiroler Frei.Wild die „Main Stage“ – zum Song „Das Land der Vollidioten“ erklärte Sänger Phillip Burger feierlich, dass ihre Band politisch nicht extrem sei. Als Vertreter der „neuen deutschen Härte“ folgten Eisbrecher auf der „Main Stage“. Ihr Sänger Alexx Wesselsky betrat zum Eröffnungssong „Eiszeit“ mit zwei Eispickeln die Bühne. Höhepunkt der coolen Eisbrecher-Show war das Lied „Heilig“, das Alexx „dem Papst und seiner Kirche“ widmete. Für Feierlaune an der „Pain Stage“ sorgten die finnischen Folk-Metaller Korpiklaani mit Akkordeon und eingängigen Melodien. Children of Bodom, die Headliner an der Hauptbühne, enttäuschten zwar etwas, da ihr Auftritt sehr einstudiert wirkte. Die Stimmung an der „Main Stage“ blieb aber trotzdem gut. Denn die besten Musiker sind eben nicht immer gleichzeitig die besten Schauspieler.

